Im Feuilleton der FAZ am 31.8.2010 las ich letztens über den Milch-Skandal in Österreich. Langsam kommt er auch in Deutschland an (wir berichteten). Wenn man den Artikel überfliegt, sieht es so aus, als ob Österreich mit den türkisch-deutsch beschrieben Milchtüten überflutet wird. Es sind nur die türkischen Supermärkte!!! – und das ist gut so!

Aber ich wollte noch auf den letzten Absatz eingehen:

In der Türkei jedenfalls ist Milch noch immer dicker als Blut: Nicht die genetische Abstammung eines Menschen ist entscheidend, sondern wie und mit welcher Geistesnahrung er aufgewachsen ist. „Blutsbrüder“ heißt deshalb im Türkischen auch „süt kardesler“ – „Milchbrüder“.

Blutsbrüder heißen auf Türkisch kan kardeşler und haben im Grunde nichts zu tun mit „Milchbrüder > süt kardeşler. Blutsbrüder sind Menschen, die ganz bewusst in einem Ritual Blut austauschen und sich symbolisch verbrüdern. Milchbrüder sind zweckgebunden aufgewachsen und haben die Milch einer Mutter getrunken, weil die leibliche Mutter nicht konnte. Daher hinkt der Vergleich. Das eine ist bewusst, das andere auf Grund einer Situation. Deshalb sind es keine süt kardeşler!

Ein Vergleich in unsere Breitengrade: Türken sind ursprünglich nach Deutschland/Österreich gekommen, weil sie zur Arbeit gerufen wurden. Sie wurden dann auch Gastarbeiter genannt und so behandelt. Sie gehen ja eh irgendwann. Von gemeinsamen Aufwachsen und sich an derselben Geistesnahrung zu bedienen ganz zu schweigen. Deutsche und Türken hatten nicht die gleichen Voraussetzungen. Daher finde ich es sehr gut und symbolhaft die Milchtüte mit diesen zwei Sprachen zu beschriften.

Noch ein letztes. Der Film süt kardeşler ist ein Highlight aus den 60er Jahren der türkischen Filmgeschichte (yesilçam). Den muss man sich angesehen haben. Vor Gulyabani hab ich früher wirklich Angst gehabt!

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