Im Rahmen der Welt Rakı Woche (Dünya Rakı Haftası) möchten wir die berühmte, türkische Anisspirituose, bzw. das inoffiziell auch als Nationalgetränk der Türken bezeichnete Rakı mal etwas näher vorstellen.

Rakı wird aus edelsten Rosinen, Trauben und würzigen Anissamen hergestellt. Seinen unverwechselbaren lakritzeähnlichen Geschmack bekommt die türkische Spezialität durch die zweifache Destillation, dem Zusatz von Anis und die monatelange Reifung in speziellen Eichenholzfässern. Die klare Anisspirituose enthält 40-50% Alkohol. Es wird seit dem 15. Jahrhundert gebrannt und verbreitete sich im Osmanischen Reich, ausgehend von den Hafenstätten, über den gesamten Mittelmeerraum. Varianten des Rakı sind bis heute beliebt. Sambuca, Absinth, Pastis und natürlich Ouzo sind wohl die bekanntesten unter ihnen. Rakı wird mit Wasser verdünnt oder pur getrunken. Beim Vermischen mit Wasser oder durch starkes Kühlen erhält er die typisch milchig-weiße Trübung, weswegen er von Türken auch „aslan sütü“ (auf deutsch Löwenmilch oder Milch für die tapferen Männer) genannt wird.
Seit der Aufhebung des staatlichen Monopols der Rakı-Destillierien 1990, gehören sie der Privatwirtschaft und immer mehr Marken gelangen auf den Markt.

Rakı-Glas im Ehlikeyif, Quelle: Ozan Danışman

Der Reichtum einer Rakı-Tafel (Çilingir Sofrası) besteht natürlich in den zahlreichen Meze (kleine Teller mit Appetithäppchen). Zwischen den Gängen und auch während des Essens wird getrunken – nicht erst danach. Da man neben der türkischen Spirituose viel isst und trinkt verzögert sich der Zeitpunkt des Betrunken-Werdens zu einem angenehm, leichten Rausch. In der Türkei sagt man: „yemeden içme – trink nie, ohne zu essen“. Gute Musik, anregende und inspirtierende Konversationen am Tisch bilden dann den perfekten Rahmen. Es geht darum, gemütlich beisammen zu sein und die Geselligkeit zu genießen. Der traditionelle Ort für eine solche Çilingir Sofrası (Rakı-Tafel) ist die Meyhane (Taverne). Und wegen dem Alkoholverbot für Muslime wurden diese Meyhane früher oft von Armeniern oder
Griechen in deren Vierteln betrieben. Auch heute noch genießen sie einen ausgezeichneten Ruf. Der berühmteste unter Ihnen dürfte wohl Aghop der Armenier sein, der sogar in türkischen Liedern besungen wird.

Rakı wird meist in speziell dafür vorgesehenen Rakı-Gläsern angeboten, die schlanken hohen Longdrink-Gläsern ähneln. Die echten Genießer benutzen einen Ehl-i keyf (oder Ehlikeyif, auf Deutsch: Genießer). Das ist ein zylindrisches Gefäß aus Metal (meist aus Kupfer) mit dem man das Rakı-Glas kühlt. Innen steht das schmale Glas, der äußere Rand wird mit Wasser gefüllt und in den Tiefkühler geworfen bis es auf einer Rakı-Tafel zum Einsatz kommt.
Früher hat einer der Teilnehmer einer Rakı-Tafel die Rolle des Mundschenkers (Saki) eingenommen. Dieser hatte die Aufgabe den maßvollen und steten Konsum der Gäste an der Tafel im Auge zu behalten. Manchmal übernahm er auch die Rolle eines guten Zuhörers oder Therapeuthen. In den westlichen Kulturen zu vergleichen mit dem heutigen Barkeeper.

In Deutschland kocht der junge türkischstämige Sternekoch Ali Güngörmüş sogar mit Rakı. Die Spirituose mit dem feinen Anis-Aroma dient dem Meisterkoch als Inspiration und Basis für ein exklusives Yeni Rakı-Menü in seinem Hamburger Restaurant Le Canard nouveau.

Fatih Akerdem und Ahmet Ayberk haben das weltweit erste Rakı-Cocktailbuch herausgebracht RAKI NIGHTS. Die leckeren und ungeahnt milden Cocktails haben Namen wie RAKITINJO, CAIPIRAKI, JADE oder CHILEXI (mein Lieblingscocktail, den wir in vollen Zügen mit meinen Mädels genossen haben :D). Das Buch RAKI NIGHTS gibt es übrigens an der Arabella Bar & Lounge vom Westin Grand Hotel in Frankfurt zu kaufen.

Eine kleine Anekdote zum Rakı trinken im Osmanischen Reich:
Sultan Murat IV., selber dem Alkoholkonsum nicht gerade abgeneigt, verbot dem Volk alkoholische Getränke zu sich zu nehmen. Um sich selber davon Überzeugen, ob das Verbot auch eingehalten wurde, verkleidete er sich und mischte sich unter das gemeine Volk in den Straßen von Istanbul. Alsbald traf er einen Bektaşi der Rakı trank. »Was trinkst du da?« fragte der Sultan. Der Bektaşi, der den Sultan gleich erkannte, antwortete: »Milch natürlich.«
Sultan Murat IV. glaubte dem Mann nicht und erwiderte: »Das sieht nicht aus wie Milch, gib‘ mir das Glas ich will kosten!«
Als der Bektaşi ihn das Glas reichte, sprach er laut vor sich hin: »Allah, du bist allmächtig, bring unseren Sultan nicht in Verlegenheit und verwandle die Milch in Rakı.«

Und nun viel Spaß beim Trinken oder wie wir Türken sagen Şerefe!

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