Der Titel des Buches „Istanbul, mit scharfe Soße?“ hat mich beim ersten Eindruck stutzig gemacht. Ich regiere ein wenig allergisch, wenn man den „typischen Döner-Verkäufer“ als Synonym für Türke verbraucht. Aber ganz ehrlich, das Buch von Alexandra Klobouk ist klasse. Der Verlag OnkelundOnkel hat es gemeinsam mit der Autorin liebevoll veröffentlicht und nach meiner Meinung ist es jede Seite wert.

Gestaltung

Das Buch ist durchgängig zweisprachig und zweifarbig, natürlich deutsch-türkisch und rotschwarz gestaltet. Als gelernter Druckvorlagenhersteller (heutzutage Mediengestalter) für mich ein Genuss. Die Autorin ist Designerin und hat der Text mit einem wundervollen einfachem Stil illustriert. Sie muten ein wenig den Zeichnungen von Turhan Selçuk an, aber das ist vielleicht Zufall. Auf jeden Fall zeigen sie nicht nur das Leben der Türken, sondern auch die Gefühlswelt der Autorin in Istanbul.

Inhalt


Alexandra Klobouk ist in ihrer Studienzeit für ein halbes Jahr nach Istanbul gereist um die Sprache und die Menschen kennenzulernen. Der Antrieb kam aus ihrem Berliner Umfeld, vom mürrischen Gemüsehändler um die Ecke und den lauter schreienden türkischen Kindern in den Kiezen. Im Buch entdeckt man die Feinfühligkeit, wie sie die Menschen in Istanbul beobachtet und die kulturellen Eigenheiten herausgelesen hat. Die Rituale im Alltag, wie das çay trinken sind mit klaren Bildern und kurzen prägnanten Sätzen beschrieben. Die Rubrik dazu heißt ganz einfach „wichtig“. Generell sind die einleitenden Text nicht ausschweifend lang, sondern kurzweilig und knapp geschrieben. Das ist sehr entspannend um schnell in die die türkische Kultur einzutauchen. Das Buch ist ja für Menschen gemacht, die auch keine Ahnung haben… Keine Ahnung von türkischen Nachbarn, von türkischer Mentalität, vom Türkisch-Sein. Die, die sich bisher nicht getraut haben, sich mit der Thematik zu beschäftigen, werden einen lockeren und wertefreien Einstieg mit diesem Werk haben. Ein Genuss!

Sprache

Ein Originalzitat lautet: Wenn man die Türkei ein wenig verstehen möchte, sollte man Türkisch lernen. Zumindest ein kleines bisschen. Denn Sprache erzählt viel über Geschichte und Mentalität. Jeder Satz, jede Silbe, ist in Deutsch und in Türkisch geschrieben. Somit können auch Türkisch und auch Deutsch Lernende dieses Buch als hilfreichen Begleiter nutzen, um der Sprache näher zu kommen.

Ich persönlich habe mich in vielen Zitaten und Bildern wieder gefunden und kann es jedem empfehlen. Passt auch wunderbar als Weihnachtsgeschenk oder als Einfach-Nur-So-Geschenk…

Übrigens ist gâvur das Synonym für einen Nicht-Muslimen in der Türkei.

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