Feiertage allgemein und speziell Weihnachten sind die Tage im Jahr, an denen selbst eingefleischte Festtags-Flüchtlinge kein Asyl in Deutschland erhalten. Quasi durch transzendentes virales Marketing in Form von wenig dezenten Hinweisen wie z.B. Weihnachtsutensilien im Supermarkt bereits ab dem Spätsommer bzw. Weihnachtssong-Zombies in der Radio-Dauerrotation, wird effizient vermittelt, dass es wieder Zeit ist sich gern zu haben, noch nicht erwachsene Tannenbäume zu fällen und glühenden Wein zu trinken, was in etwa so logisch ist, wie Ayran heiß zu kredenzen.

Ein Migrant sieht gerne rot

Nun könnte man ja eventuell glauben, dass es mir als „Leitkultur-Anwärter auf dem zweiten Bildungsweg“ jedes Jahr aufs Neue schwerfallen dürfte, mich auf die ganz speziellen Riten vor und während des weihnachtlichen Ausnahmezustandes einzustellen. Doch weit gefehlt!

Zugegebenermaßen komme ich mir hier und
da schon vor, als sei ich im falschen Film – eher sogar gleich in der falschen Videothek – wenn ich Gruppen von Glühwein-durchsetzten „Weihnachtsmarkt-Touristen“ mit blinkenden Rentiergeweihen und Nikolausmützen antreffe. Garantiert „Made in China“, zweifelsohne geschmacklos und dezent lustig. OK, das Ganze ist vielleicht wenig originell bzw. mitnichten spirituell und die erste Zeit nach der Geburt Christi sahen dessen Geburtstagspartys bestimmt anders aus aber hey, was soll’s? Jeder definiert seine Erlebniswelt Weihnachten selbst.

Auch ich habe schon als Kind die Farben rot und weiß nicht nur mit der türkischen Nationalflagge oder einer Portion Pommes Ketchup/Mayo assoziiert, sondern eben auch mit dem Weihnachtsmann, dem Inbegriff des saisonalen Gastarbeiters, der einmal im Jahr kam und mich und meine Geschwister trotz abweichendem Glaubensbekenntnis mit allerlei Geschenken bedachte. Ganz selbstverständlich war es, dass wir sogar tragende Rollen in der Schulaufführung der Weihnachtsgeschichte spielten, gerne auch mal meinen Namensvetter, den von mir – wegen seinem wirklich total korrekten Umgang mit der mysteriösen Schwangerschaft von Maria – überaus geschätzten Josef von Nazaret.

Hammel unter dem Weihnachtsbaum

Trotz Ermangelung eines eigenen Weihnachtsbaums – ein verstaubter Ficus Benjamini ist dem nun mal nicht gleichzusetzen – bilde ich mir ein, dass ich durchaus nachvollziehen kann, welch wertvolles Kulturgut Weihnachten ist und teile mit allen Interessierten auch liebend gern die Faszination „meiner“ Festtage wie z.B. dem Opferfest . Werte wie Nächstenliebe, Toleranz und der Wunsch nach Besinnlichkeit sind universal und sollten nicht im Sperrfeuer derer draufgehen, die immer noch glauben, dass der Weltenbürger und ein friedliches Miteinander der Glaubensrichtungen eine Utopie ist.

Doch wer nicht brav war, kriegt auch nichts vom Weihnachtsmann.

Ich habe dieses Jahr einen Hammel auf meinem Wunschzettel  notiert.

In diesem Sinne…

„Weihnachten“-ımız mübarek olsun!

Frohe Weihnachten uns allen!

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