Mercimek Köftesi

Mercimek Köftesi

Letztens haben wir *Mercimek Köfte* zubereitet. Eine recht ordentliche Portion. Davon sollen unsere Nachbarn auch was haben. Kurzerhand ein paar Köfte auf einen Teller mit Salatblättern gepackt und rübergebracht. Şekerpare hatte ich auch noch… Der 1,5-jährige Sohn machte mir auf und hatte schon ganz große Augen als er den Teller sah. Die Mutter, also meine Nachbarin hatte denselben Blick. „Was ist das?“ –  „Mercimek Köfte, das sind vegetarische Köfte aus Linsen und Bulgur. Gut gewürzt mit Salça“ Der Nachbarin schmeckte es scheinbar. Der kleine Sohn wollte auch, die Mama warnte – zu spät. Kopfschütteln, doch zu scharf. Aber die Şekerpare waren dafür für ihn doppelt lecker. Noch ein kurzes Flurgeklöne und dann zurück in meine Wohnung. Ein paar Tage später stand der Teller  vor der Wohnungstüre. Gefüllt mit Schokolade. Das Wochenende darauf gabs bei uns Zeytinyagli Kereviz und ein Teller nahm wieder den Weg zu den Nachbarn…

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Şekerpare

Tellertausch

Das türkische Sprichwort: “Komşuda pişer bize de düşer“, was soviel bedeutet wie: „wenn beim Nachbarn gekocht wird, fällt auch etwas für uns ab“, beschreibt auf sehr feine Weise die türkische Lebens- und Esskultur.

Wenn meine Mutter etwas besonderes gekocht hatte, an Feiertagen oder einfach so, wurde ich in meiner Kindheit sehr oft mit einem Teller Essen zu den türkischen Nachbarn geschickt. Das werden auch andere „Bio-Türken“ von sich behaupten können 😉

Manchmal war es der Teller der Nachbarin, den wir einige Tage zuvor mit einer Spezialität aus ihrer Küche bekommen hatten….manchmal war es unser Teller, den wir in den nächsten Tagen mit einer Leckerei zurück bekamen. Es schickt sich nicht den leeren Teller zurückzugeben. Also gingen im Laufe der Jahre so einige Speisen über den Hausflur hin und her. Vor- und Nachspeisen, Teigwaren wie Poaça und Börek, Sarma, Dolma, Mezes, Salate….und und und.

Diese Art der Nachbarschaft ist die höchste Form des nachbarschaftlichen Zusammenlebens. Da war es auch nicht weiter schlimm, wenn mal die Kinder der Nachbarin von oben herumgehüpft sind, wenn Sonntags mal ein Nagel in die Wand geschlagen wurde oder der Besuch zu später Stunde mit lautem Gelächter nach Hause verabschiedet wurde. Was soll’s! Hauptsache das nachbarschaftliche Verhältnis ist in Takt, man hält ein nettes Pläuschchen im Hausflur, kann sich mal ein Ei oder Mehl ausleihen und jemand schaut nach der Wohnung, wenn man im Urlaub ist.

Genauso haben es meine Eltern auch immer mit allen Nachbarn gehalten (Bio-Deutsche, Bio-Türken, Bio-wasauchimmer…). Und heute bin ich sehr froh behaupten zu können, dass ich es mit meinen Nachbarn (egal welcher Herkunft) auch so halte.

In diesem Sinne… das Wichtigste, die Teller wandern nicht leer zwischen den Türen hin- und her.

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