Nachdem es der Wein unserer griechischen Freunde bis in den deutschen Schlager-Olymp geschafft hat und regelmässig um 4:30 Uhr auf fast jeder Uni-Party beworben wird, möchten wir hiermit mal eine Lanze für Wein und Weinanbau in der Türkei brechen. Bisher eher was für Kenner, entwickelt sich in der Türkei eine interessante Szene mit traditionellen Sorten und vielen neuen Weinen.

Hier einige Fakten

(mit freundlicher Unterstützung von Tufan Topcu/gourient.de):

Türkischer Wein steht klar im Schatten des Rakı, dem türkischen Anis-Schnaps in Bezug auf Bekanntheit und Konsum, aber bereits in der Antike wurde auf dem Gebiet der Türkei Wein angebaut, der wegen seiner hochwertigen Qualität teuer gehandelt wurde. Seit den 1980er Jahren wird wieder verstärkt türkischer Wein hergestellt. Die größten Anbaugebiete sind Tekirdağ, Izmir, Denizli sowie Tokat, Elazığ, Ankara, Nevşehir und Diyarbakır.

Neben den vier großen Weinbaubetrieben bestehen mittlerweile etwa 100 kleine Weingüter – die sogenannten Boutique Wineries.  Es sind kleine Mengen die hier produziert werden. Diese können sich mit den Mengen, die in Deutschland oder Frankreich gekeltert werden nicht messen. Darum geht es aber auch gar nicht. Die türkischen Weine haben einen eigenen Charakter, denn die extrem unterschiedlichen Klimazonen zwischen dem Westen und dem Osten der Türkei bringen Weine mit eigenen Stilen hervor.

Zudem gibt es in der Türkei viele autochthone Rebsorten. Autochthone Rebsorten sind gebietsheimische Rebsorten, die im Anbaugebiet auch heimisch sind. Zu den bekanntesten gehören zum Beispiel Narince, Boğazkere, Kalecik Karası und Öküzgözü. Genau hier liegt der Reiz bei den türkischen Weinen, gerade für Weinfans und Weinkenner. Während hier in Deutschland mittlerweile sogar die Weine aus Amerika und Ozeanien im Detail bekannt sind, eröffnen sich für Weinfreunde bei den türkischen Weinen neue unentdeckte Geschmäcker.

Viele türkische Weine erhalten derweil häufig internationale Auszeichnungen. Zum Beispiel beim Decanter, Wine Master Challenge oder Vinalis Internationales.

Der Weinkonsum hat in der Türkei noch keine große Bedeutung – er liegt bei 1 Liter pro Kopf und Jahr. Jedoch gibt es derzeit eine sehr interessante Entwicklung. Die Winzerszene besteht aus sehr motivierten Enthusiasten. Diese haben das Potential von guten Weinen entdeckt und besinnen sich nun auf Qualität. So nehmen immer mehr Restaurants in der Türkei türkische Weine auf ihre Karte und gerade in Istanbul und an der Ägäis kann man in Restaurants immer häufiger auf eine sehr gute Auswahl an türkischen Weinen treffen. So entdecken junge Türken, dass man außer Rakı auch Wein zum Essen oder auch nur so in netter Gesellschaft trinken kann.

Diese Trends beflügeln wiederum die Weinproduktion und vor allem auch die Qualität. Wegen letzterem werden auch immer häufiger ausländische Vinologen als Berater eingestellt.

Auch entstehen die ersten Weinbars. Sensus, eine Tochter eines internationalen Konzerns, das auch selber Wein produziert, hat an insgesamt vier Standorten (zwei in Istanbul) sehr schöne Weinbars eröffnet. Es werden ausschließlich türkische Weine, etwa 400 Sorten ausgeschenkt. Begleitet werden die Weine von hochwertigem Gerichten und Käse (www.sensuswine.com).

Die Weinbranche wird von vier Produzenten mengenmäßig beherrscht: Kavaklıdere, Doluca, Kayra und Pamukkale. Das sind auch die Produzenten, die ihre Weine bereits exportieren. Wegen der geringen Mengen, die die meisten Winzer produzieren ist ein Export schwierig. Allerdings gibt es Bestrebungen seitens einiger Betriebe, den Export zu steigern. Daher nehmen diese Weingüter gemeinsam mit der Organisation „Wines of Turkey“ auch an Messen teil. Zum Beispiel auch an der ProWein in Düsseldorf.

  1. Kavaklıdere, Ankara
    Der Gründer Cenap And kam nach seinem Önologie Studium 1929 zurück und gründete sein eigenes Weingut. Kavaklıdere hat mehrere Standorte und produziert wohl die meisten Weine in der Türkei. Zu den empfehlenswerten Weinen gehört vor allem die Selection und die Egeo Reihe, die ein hervorragendes Preis-/Leistungsverhältnis bieten.
  2. Kayra, Sarköy
    Das ehemalige Staatsunternehmen wird von Daniel O´Donnell beraten, der ein umfangreiches Know How aus Kalifornien mitbringt. Das Sortiment ist sehr umfassend und bietet in jeder Preisklasse sehr gute Weine. Dabei stechen die Terra und Vintage Serie doch klar heraus. Es sind vollmundige Weine, mit einer starken Fruchtnote.
  3. Pamukkale, Güney
    Gegründet 1962 gehört zu den bekanntesten Winzern. Der Exportanteil ist mit 25% schon sehr hoch. Die Anfora und Trio Serie wird man am meisten vorfinden. Zu erwähnen sind aber auch die Roseweine.
  4. Doluca, Tekirdağ
    Auch Doluca gehört zu den ältesten Weingütern. Nihat A. Kutman kam 1926 nach seinem Önologie Studium in Geisenheim zurück in die Heimat und gründetet das Weingut. Zunächst hatte er die regionalen Rebsorten angepflanzt. Dann begann er allerdings damit, Rebsorten wie Semillon oder Riesling zu importieren und zu kultivieren. Doluca hat durch Aufkäufe ein sehr breites Angebot.

 

Türkische Fruchtweine

Diese werden vor allem in dem Dorf Şirince hergestellt. Şirince ist ein von der Unesco geschütztes Dorf in der Nähe von Izmir. Es gibt dort eine große Zahl an Herstellern von Fruchtweinen. Darunter auch der deutsche Winzer Helmut Krauß. Er keltert herorragende, trocken ausgebaute Fruchtweine. Die Sorten reichen von Granatapfel über Pfirsich bis zu einem Kiwiwein.

Hier noch einige Impressionen aus Şirince

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