Das arabische Wort halal oder wie die Türken sagen helal bedeutet „rein“, „erlaubt“ oder „zulässig“. Sein böser Bruder schimpft sich haram, was widerum im Arabischen „verboten“ bedeutet. Halal ist neben einer islamischen Speisevorschrift auch Ausdruck für eine ehrliche Lebensführung. Wenn ein Türke sich beispielsweise verschluckt, weil ihm das Essen im Halse stecken bleibt, kann man schnell beobachten, wie ein anderer auf den Rücken klopfend: „Helal, helal!“ ruft. Was soviel bedeutet wie: „Keine Sorge, das Essen ist ehrlich verdient.“ Wenn jemand gewissenhaft und ehrlich ist, etikettiert man ihn gern auch als „helal süt emmiş – als jemanden, der die Reinheit quasi durch die Muttermilch aufgesogen hat. Ein Mensch aus gutem Hause. Es gibt halal-verdientes Geld, Halal-Speisen, Halal-Produktionen und sogar Halal-Kosmetika. Doch wo fangen die Grenzen für halal an und wo hören sie auf?

http://youtu.be/calqLBjl8R4

Alles halal, oder was?

Die gute Nachricht: Erst einmal ist alles auf der Welt halal. Oder wie es Prof. Amir M. A. Zaidan, sich auf das islamische Recht beziehend, der Sharia, ausdrückt: „Ich (als Muslim) muss nicht beweisen, dass etwas halal ist, Du musst beweisen dass etwas verboten ist, weil die Regel ist, dass alles halal ist.“ Im Zweifel also immer halal. Doch was wären die Regeln ohne ihre Ausnahmen? Die fünf Verbote bzw. Ausnahmen, fasst Prof. Amir M. A. Zaidan von der Zertifierungsstelle Halal Control zusammen (siehe Video):

[list type=“check“]
  • alles, was dem Körper schadet
  • alles, was berauscht
  • alles, was rituell unrein ist, wie Urin oder Blut
  • alles, was von dieser rituellen Unreinheit beeinträchtigt wird
  • alles, was nicht freigegeben ist von dem Eigentümer
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Die Halal-Zertifikate sind uneinheitlich und nicht deutlich identifizierbar.

Die Halal-Zertifikate sind uneinheitlich und nicht deutlich identifizierbar. (Quelle: van Hees)

In Deutschland leben knapp vier Millionen Muslime. Die meisten von ihnen kaufen ihre Lebensmittel im türkischen oder arabischen Supermarkt um die Ecke. Deutsche Discounter scheinen die Marktlücke noch nicht hinreichend entdeckt zu haben und tun sich schwer ihre Produkte zu zertifizieren.

Weltweit ist Malaysia mit dem Zertifikat Halal Control das erste Land mit einem eindeutigen staatlichen Gesetzeswerk. Doch es ist längst nicht alleine im Geschäft. Neben etlichen anderen nicht-staatlichen Zertifikaten, sticht unter der Vielzahl an Zertifikatsangeboten das ebenfalls staatlich normierte TSE (Türk Standardları Enstitüsü) Siegel der Türkei, ins Auge. Die verschiedenen Zertifizierungsstellen vertreten die Ansichten von verschiedenen Rechtsschulen und Glaubensrichtungen des Islam. Die Auswahl an Halal-Zertifikaten ist vielfältig und zum Teil widersprüchlich.

Schnell denkt man bei Lebensmittelverboten für Muslime an Schweinefleisch oder Alkohol. Doch die Palette der Verbote für bedenklichen Produkte ist größer als man denkt. Beispielsweise kann der Verzehr von klaren Fruchtsäften oder Gummibärchen bei einen gläubigen Muslim schon problematisch sein, denn oft wird hier Gelatine, die möglicherweise vom Schwein stammen kann. Wie weit so eine Halal-Zertifizierung gehen kann, zeigt das Wuppertaler Unternehmen Van Hees. Van Hees wirbt damit, dass seine Gewürze halal sind. Das verwirrt. Sind Kräuter und Gewürze nicht von Natur aus schon halal? Jürgen Georg Hüniken, Vorsitzender der Geschäfstsführung Van Hees, erklärt warum Gewürze überhaupt als Halal zertifiziert werden müssen.

[…] beispielsweise ein Unternehmen lagert gleichzeitig Gewürze und Gelatine in einer Lagerhalle. Diese Gelatine kann u.a. auch aus Schweinehaut hergestellt werden und damit wären die u. U. kontaminierten Gewürze nicht mehr halal. In unserer Anlage kann eben dadurch, dass es ausschließlich und exklusiv, d.h. unter jeglicher Vermeidung von „Haram“-Produkten, „Halal“-Produkte hergestellt werden das ausgeschlossen werden. Hier ist zu 100% Prozent im Prozess und im Produkt halal.“

Van Hees ist in Deutschland eher eine Ausnahme und reiht sich in die kurze Liste der deutschen Vorreiter wie Haribo, Nestle, Meggle oder Zentis. Schaut man über den deutschen Tellerrand hinaus, sieht das Bewusstsein für den Halal-Markt schon ganz anders aus. In Ländern wie Großbritannien und Frankreich machen Unternehmen bereits heute große Gewinne mit Halal-Produkten. Von knapp 50 Milliarden Umsatz ist die Rede – Tendenz steigend.

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