Simit_Ekmek_kahvaltıGünaydın!

Dieses mal möchte ich euch ins Land der Bäcker und Konditoren führen, denn auch die Türken unterscheiden diese sehr genau. Fırın (bzw. Ekmek-Fırın,… also „Brot-Ofen“), der türkische Bäcker und Pastane, der entsprechende Zuckerbäcker/Konditor.

Doch zuerst ein kleiner Abriss über den Stand deutscher Backkunst, den ich loswerden muss.

In Deutschland geht der Trend leider immer mehr Richtung Fertig- und Aufback-Backwaren, weg von Qualität und Geschmack, hin zu Pfennigprodukten ohne Substanz. Dabei sollten gerade wir Deutschen doch eigentlich besonders stolz auf unsere in der ganzen Welt geschätzten Backwaren sein. Kein Land hat so viele verschiedene Brotsorten, Brötchen, Kuchen und Torten anzubieten wie wir. Doch anstatt dieser altehrwürdigen Handwerkskunst den verdienten Respekt zu zollen und Bereitschaft zu zeigen für Qualität auch den notwendigen Preis zu begleichen, sprießen an jeder Ecke Dumpingketten und Aufbackbuden wie Pilze aus dem Boden. Für eine kleine Ersparnis haben wir unser so geliebtes Brötchen verraten und füllen unsere Mägen mit minderwertigen, lieblos in Massenproduktion hergestellten und mit Treibmitteln versetzten Billigprodukten. Wer kennt das nicht, geschmacklose Pappbrötchen, gefüllt mit Luft und leicht wie eine Feder, die Kruste schneidet einem ins Zahnfleisch und Geschmack… naja… kein weiterer Kommentar. Ihr wisst alle was ich meine. Eine echte Backstube mit eigenem Ofen hinter der Verkaufstheke, das gibt es leider kaum noch. Eine Schande ist das. Wie unsere Eltern schon immer zu sagen pflegten – früher war eben doch vieles Besser!

Entgegen dieser wenig wünschenswerten Entwicklung gibt es natürlich – zum Glück – immer noch den guten alten Bäckermeister, welcher nicht auf Preis und Quantität, sondern auf Geschmack und Qualität Wert legt.  Schwer zu finden und daher noch umso wertvoller, diese urigen Backstuben. Ich persönlich bin nur zu gerne bereit für einen echten Bäcker, der seine Produkte von Hand im eigenen Ofen anfertigt (und nicht morgens mit vorgebackenen oder gar fertigen Waren beliefert wird) auch den notwendigen, bzw. angemessenen Preis zu zahlen!

Mit Broten und Kuchen verhält es sich mittlerweile ganz ähnlich. Trockene, pappige Blechkuchen aus Massenproduktion verdrängen die vor nicht all zu langer Zeit noch so schmackhaften Kuchenstücke vom abendlichen Kaffeekränzchen. Ebenso, wenn auch nicht ganz so extrem, steht es um unsere Brote – doch mit ein wenig Suchbereitschaft lassen sich zumindest hier noch halbwegs gescheite Produkte finden – wenn auch oft leider schon aus Massenproduktion. Umso verständlicher ist es nun, daß sich der Backwarenliebhaber nach Alternativen umschaut und ich kann euch sagen, die gibt es tatsächlich!

Nicht „Lebensunterhalt“ sondern „Brotgeld“ (Ekmek parası)

Die Türken unterscheiden ebenfalls zwischen Bäcker (Ekmek-Fırın) und Konditor (Pastane). Natürlich gibt es auch hier bei den einzelnen Läden große Unterschiede bei der Qualität, genauso wie bei den deutschen Bäckereien und Konditoreien. Der Ekmek-Fırın bietet in der Regel Ekmek (ein schiffchenförmiges Weißbrot), Pide (Fladenbrot), Simit (Sesamringe) und gelegentlich Gebäck wie z.B. Açma. Hier ist besonders wichtig, auf Frische zu achten. Die morgens in Plastik verpackten (und meist auch so angebotenen) und einen halben Tag auf Kunden wartenden Produkte sind prinzipiell nicht empfehlenswert, da diese schlicht nicht mehr knusprig sind und das entsprechende Aroma verloren gegangen ist. Ein frisches Pide, oder frisches Simit hingegen, noch leicht warm und vor allem noch knusprig, verströhmt einen angenehmen Duft und schmeckt einfach super. Wie ich in meinem letzten Beitrag schon mal angedeutet hatte, sind frische Simit für mich mittlerweile das bevorzugte Frühstücksmedium. Habt ihr also einen entsprechenden Ekmek-Fırın bei euch in der Nähe, bzw. wenn ihr frische, sprich maximal 2-3 Stunden alte, Waren angeboten bekommt, müsst ihr das unbedingt mal ausprobieren! Mit etwas Butter, ein wenig Käse und Oliven, oder auch mit süßen Belägen, alles passt wunderbar und unter dem Strich kommt man da noch günstiger weg, wie bei den Billig-Bäckerei-Ketten.

Ein ganz klein wenig süßes kann bitteres verschwinden lassen!

Ein Pastane, das Gegenstück zum Konditor, bietet dem Süßwarenliebhaber hingegen eine ganze Palette an Köstlichkeiten an und läd  auf jeden Fall zum ausprobieren ein. Ihr werdet hier Dinge finden, die sich ideal zum typisch deutschen Nachmittags- bzw. Frühabend-kaffee verzehren lassen. Das Süßspeisen und süße Backwaren einen hohen Stellenwert in der türkischen Kultur haben sieht man unter anderem auch an dem Sprichwort: “Tatlı yiyelim tatlı konuşalım“ , was übersetzt so viel bedeutet, wie „Süß lass uns essen und süß lass uns sprechen“. Es wird also davon ausgegangen, daß süße Speisen zwischen Parteien vermitteln können. Nicht umsonst brachte ich, als ich um die Hand meiner Frau anhielt, 2 Packungen Pralinen mit. Auch so manche Namen der zahlreichen Süßigkeiten sind übersetzt schon etwas Besonderes. „Frauennabel“, „schöne Lippen“ und „Nachtigallennest“ sind einige davon.

Die türkischen Konditoren bieten unter Anderem verschiedene Sorten Lokum (Das Wort Lokum ist eine Ableitung des arabischen „Rahatul hulkum“, was so viel heißt wie „behaglich im Hals“), Baklava, Sütlaç (Milchreis auf türkische Art), Eclairs , Tulumba (süßes Spritzgebäck), bis hin zu verschiedensten Küchlein und opulenten, reich verzierten, Torten und Törtchen und Muhallebi (Puddings inkl. speziellen Puddingläden). Ein guter Pastane braucht sich in der Regel vor der altehrwürdigen Konditoreikunst in keinster Weise zu verstecken. Probiert es ruhig mal aus. Die feinen Aromen, z.B bei gutem Lokum, oder auch Baklava und die unzähligen Sorten sind für mich in jedem Fall immer eine kleine Sünde wert. Die türkische Zuckerbäckerkunst geht Jahrhunderte zurück und genießt bis heute einen hohen Stellenwert. Nicht nur die riesige Auswahl an verschiedenen Produkten bestätigt dies, sondern auch die Tatsache, daß manche dieser Köstlichkeiten speziell zu besonderen Feiertagen und Ereignissen zubereitet, angeboten und genossen werden. Das alles ist natürlich nur ein verschwindend kleiner Teil all dessen, was die türkische Süßspeisenküche zu bieten hat.

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Meine Nachbarschaft

Normalerweise bin ich kein Freund von Werbung, doch die stets gute Qualität und die durchweg guten Erfahrungen, die ich dort sammeln konnte, lassen mich heute gleich zwei Ausnahmen machen. Qualität soll belohnt werden!  In meiner direkten Nachbarschaft habe ich gleich 2 Perlen gefunden. Einen empfehlenswerten Fırın, aus welchem einem ein stetiger Duft frischster Backwaren entgegenströmt…der Simit Dealer meines Vertrauens… das „Kö Back“ direkt in der City, am Marstall. Außerdem möchte ich euch einen wirklich empfehlenswerten Pastane ans Herz legen, welcher zusätzlich ein wirklich tolles Frühstücks- und Brunchbuffet mit verschiedensten Leckereien zu fairen Preisen anbietet. Im oberen Stockwerk hat man hier insbesondere am Wochenende einen schönen Platz um mit Freunden und Familie mal ein besonderes Frühstück zu genießen. (Tipp: Für einen Tisch zum Frühstücken/Brunchen am Buffet mindestens eine Woche vorher einen Tisch reservieren!) Solltet ihr also mal in Hannover unterwegs sein, schaut ruhig  im „Efendi Bey  Patisserie & Café“  in Hannover Mitte vorbei. Neben feinen Torten, Milchspeisen, Baklava und Lokum werden hier unter Anderem auch herzhafte Börek, Poça und Açma angeboten. Unterteilt in verschiedene Ebenen wird einem hier ein wirklich tolles Buffet geboten, daß alle Hungrigen zum Schlemmen einläd. Von unserem kürzlichen Familienfrühstück (und einem kleinen Teil der dortigen Süßspeisentheke) habe ich mal ein paar Bilder für euch mitgebracht.

Vielleicht wollt ihr euch ja auch mitteilen und eure Erfahrungen mit besonders guten Beispielen türkischer Bäckereien und Konditoreien teilen!? Hinterlasst doch einfach einen Comment, z.B. auf unserer Facebook-Seite und teilt der Community eure Erfahrungen mit. Oder macht doch auch mal ein paar tolle Fotos von eurem Frühstückstisch und sendet sie mir zu. Vielleicht findet ihr sie dann ja schon bald auf KochDichTürkisch.de oder Facebook wieder 😉

(Leckere Bilder gehen bitte an David@KochDichTuerkisch.de )

In diesem Sinne, lasst es euch schmecken und bis bald,
David

 

 

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