Eine Frage die uns oft gestellt wird?! Was grillen denn so die Türken? Was kommt auf den Rost? Was ist typisch türkisches Grillen?

Dazu hatte Yusuf schon mal den Einleitungstext in unserem ersten Kochbuch geschrieben. Der Text ist am Ende des Beitrages komplett zu sehen. Eine kleine Übersicht und Rezepte nun hier.

Typisches beim türkischen Grillen

Ob nun auf einer Grünfläche im Park, auf dem Balkon oder einfach im hauseigenen Garten. Egal wo, der Türk grillt überall wo es geht. Da in der Türkei das Fleisch im Gegensatz zu Gemüse relativ teuer ist, wird viel Gemüse verwendet. Zum Vergleich, 1kg Rinderhack kostet in Deutschland ca. 5–7 €, in der Türkei ca. 27-35 TL also umgerechnet 10-12 €. Außerdem werden neben dem Grillgut meist mitgebrachte Salate oder Meze verzehrt. Doch nicht nur im Freien wird vor der Glut gebrutzelt, auch die Restaurants haben es raus. Die Kunden erhalten nicht mehr ihr Grillgut fertig, sondern dürfen direkt am Tisch grillen. In der Türkei meist im Freien hat jeder Tisch seinen eigenen eingelassenen Grill (mangal). In Deutschland auch schon in einigen Städten zu finden, wobei hier direkt über dem Tisch ein riesige Dunstabzugshaube ist. Einfach genial!

Rituale beim türkischen Grillen

  • geeigneten Platz zum Grillen auswählen (Hauptsache ein wenig Grünfläche, kann auch auf einer Verkehrsinsel sein…)
  • mit dem Schornsteinprinzip die Kohle zum Glühen bringen (gab es schon vor 20 Jahren in türkischen Familien, der deutsche Baumarkt hat es erst vor 3-4 Jahren entdeckt).
  • ist die Kohle bereit, kommen als erstes mal ein Stück Sucuk auf den Mangal (Grill). je 1 MInute pro Seite und dann direkt ins Pide oder Brötchen. Der erste Hunger ist gestillt.

Ideen und Rezepte zu türkischem Grillen

 

Auftritt beim WDR zum Thema „Türkisches Grillen“

SOFRAlar__3D_seitlich_klein CoverPiknik/Mangal Sofrası Picknicken und Grillen

**Text aus dem Buch SOFRAlar ~ typisch türkisch tafeln**

Wenn ich an piknik sofrası denke, beinhaltet das in der Regel auch mangal, den türkischen Grill und die türkische Bezeichnung für das Grillen. Es bedarf keiner besonderen Anlässe, vielmehr steht das Beisammensein meistens mehrerer Familien im Vordergrund, dazu Gegrilltes mit leckeren Beilagen.

Oft reicht eine ansprechende Ecke in der freien Natur aus, um dort die Decken auszulegen und den mangal anzuschmeißen. Burada güzel mangal olur, ist ein geflügeltes Wort bei Türken, frei übersetzt heißt es in etwa „Hier lässt es sich gut grillen.“ Wir mögen es halt weniger auf dem Balkon oder nur im eigenen Garten, sondern präferieren Plätze irgendwo im Grünen, die eine entsprechende Möglichkeit zum gemütlichen Miteinander bieten und viel Platz zum Toben für die Kinder.
In Deutschland sind es meistens die öffentlichen Parks in den Ballungsgebieten, wo man Zeuge türkischer Familien-Grillevents werden kann.

Gegrilltes Fleisch hat eine lange Tradition in der Türkei. Schon zu Zeiten unserer mittelasiatischen Vorfahren, führten Reiter einen tragbaren Grill bei sich. Die Entwicklung des Kebap, mit unzähligen jahrhundertealten Rezepten, ist ebenfalls auf das Grillen von Fleisch über offenem Feuer bzw. Kohle zurück zu führen.

Doch was genau kommt denn nun auf den türkischen Grill? Sehr beliebt – oftmals aus Kostengründen – ist Geflügel. Doch auch Variationen vom Rind und Lamm sind typisch, im Besonderen pirzola, die zarten Kottelets vom Lamm und çöp şiş, die kleinen Fleischstücke vom Rind oder Lamm am Holzspieß. Köfte  – würzige Frikadellen – und sucuk, die pikante türkische Wurstspezialität, dürfen ebenfalls auf keinem Familiengrill fehlen. Grillgut wird prinzipiell auch gewürzt bzw. mariniert. Terbiye heißt der Vorgang im Türkischen, im Deutschen in etwa „gute Erziehung“. Wobei man diesen Vorgang eher sparsam einsetzt.

Frischer Fisch ist speziell in den Küstenregionen der Türkei an jeder Ecke erhältlich und ist gegrillt ebenfalls eine Delikatesse. Typisch gegrilltes Gemüse ist traditionell die Spitzpaprika oder halbe Tomate und Zwiebel. Der hellim ist eine delikate Grillkäsespezialität, im Ganzen aber auch z.B. zusammen mit Gemüse als Spieß grillbar.

Doch mein Favorit ist und bleibt pirzola oder als Gegenstück zur Bratwurst im Brötchen, einfach nur Sucuk im Fladenbrot. Eine Vielzahl von kalten Speisen, z.B. Salate und Meze werden mitserviert und oftmals frisch vor Ort zubereitet. Sie unterstreichen den Picknick-Charakter und sorgen nebenher dafür, dass sich auch jeder satt und zufrieden der kalten Wassermelone widmen kann, Abschluss und besonderes Highlight speziell an heißen Tagen.

Spätestens jetzt beginnt für die Erwachsenen der gemütliche Teil in Form von heißem schwarzem Tee serviert aus eigens mitgebrachten Teegläsern und gekocht mit dem speziellem Tee-Grillkamin oder Gaskocher. Tee aus Plastikbechern? Undenkbar. Gerne erinnere ich mich an die Tage als Kind zurück, an denen wir Kinder um die fleißigen Eltern und Großeltern bei Ihren Vorbereitungen herum turnten, voller Ungeduld auf die leckeren Sachen vom Grill. So kam es, dass wir Kinder oftmals schon probieren durften, bevor für alle serviert wurde.

Nach dem Essen wird auch heute noch gemeinsam musiziert oder Volleyball bzw. eine Art Völkerball yakar top gespielt. Yediklerini eritmek nennt das der Türke, er meint damit den Instant-Kalorienverbrennungsversuch im Anschluss an das nicht selten opulente Mahl. Meistens nicht erfolgreich und vielmehr ein lustiger Anblick satter Männer und Frauen zwischen 40 und 50, die etwas übermotiviert und ungelenk einem Ball hinterherlaufen und ihren Kindern, die sich bei diesem Anblick vor Lachen fast nicht mehr einkriegen können.

Das Grillen auf Türkisch ist für mich zeitlos und auch heute ist das gemeinsame piknik etwas Besonderes für Alt und Jung. Dabei sind all die leckeren Grillspezialitäten ein Aspekt von vielen, die gemeinsamen Aktivitäten rund um die Zubereitung herum, sind fast genauso wichtig.

Yusuf Şahin